Sfax

Neulich in Mahdia neben dem Eingang zur Medina trafen wir auf eine Besuchergruppe aus Deutschland mit Ihrer Tunesischen Reiseleiterin.

Sichtlich beeindruckt von dem Gerede gab es dann noch die Frage aus der Gruppe ob der ausgestellte Silber und Gold Schmuck echt sei. Selbstverständlich antwortete diese. Alles echt und sehr günstig. Wir konnten dann gerade noch die Fragesteller abfangen und den Sachverhalt richtig stellen. Hier gibt es wohl echten Silber und Goldschmuck. Allerdings nicht auf den Grabbeltischen in der Medina und günstig schon gar nicht. In Mahdia sehen wir viele europäische Frauen mit Ihren jungen tunesischen Begleitern. So verwundert es nicht das Anja des öfteren blöd angemacht wird. Seit Tagen fahren wir durch Olivenplantagen auf denen die Ernte in vollem Gange ist. Die ganze Familie arbeitet auf den Feldern und grüßt uns frohgelaunt. Zwischen den Olivenbäumen wird er Boden umgepflügt einmal sogar noch mit Pferd und Pflug. Auf der anderen Straßenseite bläst eine Fabrik Ihren Dreck in die Luft. Tradition und Moderne getrennt durch die Straße. Nach einer Übernachtung im Hotel im Nirgendwo kam uns am Morgen auf dem Feldweg ein Berber entgegen. Traditionell mit Kutte und Stock. Umso überraschter waren wir als er eine Digitalkamera aus der Tasche zog und uns ablichtete. Durch kleine namenlose Orte rollen wir, sehen wie Schafe auf offener Straße geschlachtet und gehäutet werden. Nebenan wartet schon das nächste Tier auf das Ende. Das Blut und die nicht verwertbaren Reste werden einfach in die Gosse gespült. Wir sind mittlerweile in Sfax, der drittgrößten Stadt Tunesiens angekommen. Großstädte kündigen sich hier in Tunesien immer mit Müllbergen vor der Stadt an. Jeder wirft hier alles in die Botanik. Ob Bauschutt Kinderwindeln oder Hausmüll Autowracks Kühlschränke Fernseher etc. alles landet in der Natur. Dann trägt der Wind die Plastikverpackungen und Tüten quer durch die Landschaft und erzeugt skurrile Skulpturen an den Büschen Bäumen und Kakteen. Umweltschutz findet hier nicht statt. Weiter geht es durch die Vorstadt die hier von Farbigen aus Schwarzafrika dominiert wird. Die Innenstadt von Sfax wird von der wirklich großen Medina beherrscht die von einer imposanten Stadtmauer umgeben ist und in der fast nur Einheimische einkaufen und leben. Untergekommen sind wir hier in der Jugendherberge. Es sieht so aus, als haben wir heute Nacht das gesamte Haus für uns alleine und werden Neujahr, wie es sich für Radfahrer gehört, mit Radler feiern.

2 Gedanken zu “Sfax

  1. Einen herzlichen Gruß, Ihr beiden Weltbummler, aus einem – zumindest jetzt nicht (07.01.2013) – gar nicht winterlichen Oberbayern! Euch beiden natürlich noch ein schönes Neues Jahr, von dem ich für Euch hoffe, dass es Euch gut radeln lässt, vieles sehen und erleben lässt und Euch schöne Tage bringt!
    Natürlich habe ich alle Eure Berichte brav und intensiv gelesen (ich gebe zu – ich beneide Euch ja ein wenig; ach ja … jünger müsste man sein!) und verfolge anhand Eurer geographischen Angaben, so weit wie möglich, mit Hilfe von Google Maps und Google Earth detailliert Eure Route. Auch die Bilder betrachte ich mit größtem Vergnügen!

    Wie schon geschrieben, steht meine Sommerroute für 2013 fest … im Mai radele ich, gleichsam als Einführung ins Radeljahr, von hier (Bad Tölz; Bad Heilbrunn) „auf dem Landweg“ nach Donaueschin-gen (Drachenfestival im Mai) und von dort auf dem Donauradweg nach Regensburg (dort studiert einer meiner beiden Söhne). Und im Sommer lautet die Parole: Von Osnabrück nach Osnabrück … aber nicht einfach einmal rund um Osnabrück herum, sondern dazwischen liegen rund 2200 Kilome-ter.
    Ihr seht und erlebt etwas, was mich persönlich bedrückt. Die immer rasantere Veränderung in den außereuropäischen Ländern … der Wandel von gleichsam uralten Lebensformen (Landwirtschaft, Ernährung, Bekleidung, Lebensgewohnheiten etc.) zur „konsumistischen Lebensweise“ mit allen ne-gativen Begleiterscheinungen. Natürlich steht uns nicht zu, diese Entwicklung zu bewerten, die von offenbar nicht wenigen Menschen in jenen Ländern offenbar als Fortschritt gewünscht und empfunden wird. Ob sie diese Entwicklung auch noch in zehn, zwanzig Jahren als Fortschritt ansehen werden …? (Wobei das Müllproblem sicher nicht das einzige Problem ist!)
    Umarmung, einen ganz lieben und SCHLITZ-ohrigen Gruß
    Euer Jerry

    • Hi Jerry
      ja das Müllproblem ist wohl das geringste dafür das offensichtlichste. Gerade Tunesien hat jede Menge Probleme erst recht nach der Revolution.
      Gruß

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