Höllenritt

Anja:
Am nächsten Morgen schien doch tatsächlich die Sonne. Seit Tagen das erste Mal.

Wir frühstückten noch, hier gibt es ja überall Haferflocken, Milch und Obst zu kaufen. Im Hof unserer Wirtin konnten wir noch unsere Fahrradtaschen und die Räder säubern und dann gings los.

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Wir erfreuten uns an der Landschaft und an den hohen Bergen. Was hatten wir wegen des schlechten Wetters wohl gestern alles verpasst. Meist ging es flott bergab aus den Bergen heraus.

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In Maoxian gabs eine Nudelsuppe zu Mittag und am frühen Nachmittag erreichten wir Wenchuan. Gleich beim ersten Hotel konnten wir einchecken.Was für ein Glück und wifi gabs auch. Am Abend erkundeten wir nun zum ersten Mal eine chinesische Kleinstadt.Wir waren begeistert. Überall gab es Leckereien.Kleine frische Bisquit, Windbeutel und Chiffoncake, Garküchen überall. Wir schlugen richtig zu.Superscharfer Tofu, Schweinefleisch und Gemüse…lecker. Am nächsten Morgen schliefen wir uns erst mal richtig aus.Nach gutem Frühstück gings wieder auf die Strasse weiter gehn Süden. Mit jedem Km gings weiter bergab und es wurde immer wärmer. Wir fuhren die kleine Landstrasse.Neben uns rasten die Trucks auf dem nagelneuen Expresshighway vorbei. Wir kamen durch kleine alte Ortschaften, teilweise verschlafen oder verlassen. Mit der Zeit sahen wir immer mehr Erdrutsche. Wir dachten uns nichts weiter dabei, und fuhren weiter. Plötzlich war ein Dorf komplett zerstört.An den Häusern sah man noch wie hoch das Wasser stand, riesengrosse Tanks lagen im Weg herum.Die Menschen schaufelten Schlamm weg und es wurde geputzt und gefegt. Wir fuhren weiter bis,,,,,,ja wo ist denn die Brücke?

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und jetzt? wir schauten uns ratlos an.Vor uns ein reissender Fluss. Ein alter Chinese meinte, wir können den Highway benutzen, der wäre jetzt frei für Fahrräder, da dies ja jetzt die einzige Verbindung zum Süden wäre. Das war uns eigentlich gar nicht so recht aber was blieb uns übrig? So kletterten wir mit unseren vollbepackten Fahrrädern die Böschung zum Expresshighway hinauf.

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Eine kleine Lücke in der Leitplanke war wohl von den Einheimischen schon genutzt worden.Jetzt stellten wir fest, das auf unserer Fahrbahn nur Gegenverkehr herrschte.Die Gegenfahrbahn war vollgesperrt, wohl auch wegen des Unwetters. Naja, fahren wir eben rechts auf dem Seitenstreifen weiter.Schien in Ordnung zu sein, kein Policeauto stoppte uns.Überhaupt wurden wir bis heute noch nie von der Polizei kontrolliert. Oh, jetzt kommt auch noch ein Tunnel! Gegenverkehr! Der Verkehr in unsere Richtung war komplett gesperrt wie wir später erfuhren. Ein Chinese von der Baustelle fuhr mit seinem Pkw entspannt in den Tunnel und in den vollen Gegenverkehr hinein. Jetzt hiess es schnell handeln, schliesslich wollten wir hier schnell vorankommen.Wir stoppten das Auto und machten dem Fahrer mit Händen und Füssen klar, dass wir dicht hinter seinem Fahrzeug durch den Tunnel fahren wollten. Ok ok.Er schien verstanden zu haben.Warnblinker an und dann gings los. Wir drei hinter dem Auto her.Der Fahrer schien uns wohl falsch verstanden zu haben, denn er brauste in der Dunkelheit davon. Wir pfiffen und schrien noch dem Fahrer hinterher.Erfolglos. Übrig blieben 3 Langnasen in einem über 5 km langen Tunnel in dem uns nur Autos entgegenkammen. Wir fuhren nun todesmutig zu dritt nebeneinander her, dass uns die entgegenkommenden Autos auch gut sahen und zogen dann in letzter Sekunde das Rad nach rechts auf die Seite.Durch die vielen Reparaturarbeiten am Tunnel war auch das Schild „Tunnel über 5 km “ entfernt worden, sonst hätten wir uns das Ganze vielleicht doch noch mal überlegt. Jetzt war alles zu spät, da mussten wir jetzt durch.Wir traten in die Pedale doch der Tunnel schien endlos zu sein. Ich schrie aus Leibeskräften wenn entgegenkommende Autos nicht auswichen. Es rechnet ja auch keiner bei einseitig geperrtem Highway mit entgegenkommenden Radfahrern im Tunnel.Dafür waren die Chinesen doch ganz entspannt. Zu guter letzt war der Tunnel doch irgendwann zu Ende und wir wieder heil draussen.Ein bisschen benommen vom ‚Sprung von der Schippe‘ standen wir vor dem nächsten Tunnel.Ja darf das denn wahr sein? Er war nur 600 m lang. Die Bauarbeiter machten uns klar, dass ab 12.ooUhr der Gegenverkehr gestoppt würde und unsere Seite dann geöffnet würde. Das hörte sich ja gut an. Wir warteten eine halbe Stunde aber der Verkehr ebbte nicht ab.Na auf die läppischen 600 m Tunnel kommts jetzt auch nicht mehr an und wir fuhren fix hindurch. Danach, wie solls anders sein, wieder über 5 km langer Tunnel.Auch hier war die Brücke spurlos verschwunden

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.Im Tunnel sahen wir noch den letzten Dreck des Unwetters.

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Zum Glück erlaubten uns die Bauarbeiter die gesperrte Seite des Highways nun zu nutzen.Sprich, wir hatten jetzt einen ganzen Tunnel nur für uns.Wow! cool. Da macht das Tunnelfahren Spass.Nur ein paar Baustellenfahrzeuge waren noch unterwegs.Wir hörten den Verkehr im Tunnel Nebenan. Gott waren wir froh dass uns nichts passiert ist. Wir fuhren nun entspannt auf der gesperrten Fahrbahn auf der falschen Seite weiter ins Tal.Selbst die Polizei störte sich nicht weiter an uns. Mittlerweile war die Fahrbahn für den Gegenverkehr gesperrt und es überholten uns schon einige Autos.Durch eine Baustelle kamen wir wieder auf die richtige Spur. So kamen wir doch noch gut voran. Mittlerweile war die Landstrasse auch wieder befahrbar.Wir fuhren an einem Stausee entlang wunderschön.

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In dem kleinen Ort Yingxiu wollten wir etwas essen, doch es war so touristisch und eben teuer, dass wir dann doch unser letztes Brot, teilweise schon etwas gammelig, assen. Wir fuhren um den ganzen Stausee herum.Auch hier waren immer noch Brücken zerstört und wir wurden auf kleine Strassen umgeleitet.Teilweise fuhren wir durch Fabrikgelände hindurch, Match und Schlamm. Das Klima hatte sich stark verändert.Wir sahen unseren ersten Bambus und die ersten Schmetterlinge. Zur nächsten Stadt waren es nur noch 20 km.Die spulten wir jetzt auch noch ab und dank guter Recherche im Net fanden wir schnell ein Hotel.

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